Verfasst von: lindainecuador | Dezember 15, 2007

Im Zauberland…

Vor zwei Wochen habe ich die Gemeinde gewechselt und wohne jetzt in Camabugán, dem bestimmt schoensten Fleck der ganzen Anden. Wohin man schaut gruene Huegel, weite Wiesen und am Horizont 4 schneebedeckte Vulkane. Einer davon, der “Cayambe” ist der Punkt der Welt, der am weitesten vom Erdmittelpunkt entfernt ist (Aequator, Erdkruemmung und so… ;) ).

So weit entfernt fuehl ich mich in Cambugán auch von aller Zivilistion. Wenn ich die 40 Minuten Holperweg von der Strasse bis zum Dorf laufe komme ich mir jedes Mal vor, als wuerde ich in eine Zauberwelt abtauchen, weg von allem Stress, allen Abgasen und aller Zeit…

Passend dazu sieht mein kleiner Gastbruder aus wie ein kleiner Zwerg mit seiner Muetze und dem viel zu grossen Stock zum Kuehe treiben. Mit dem Stock und manchmal auch dem kleinen Pferd laufen wir jeden Abend ueber 100 Huegel rauf und runter um die Kuehe nach Hause zu holen, spielen “Ich sehe was was du nicht siehst” bis wir alles einmal durch haben und toben ueber die Wiesen. Zu Hause angekommen melken wir noch die Kuehe (jaaa das kann ich jetzt auch! ;) ) und lassen uns dann mit dem verdienten Glas frische Milch in die Wiese fallen. Das ist schoen! :)

Wenn sich da noch meine kleine Gastschwester und andere kleine Freunde zu setzen komme ich mir manchmal vor wie Schneewittchen und warte nur drauf, dass die Huehner, die gluecklich um uns herum picken ploetzlich anfangen zu reden… :D

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Verfasst von: lindainecuador | Dezember 1, 2007

Mmmmh…!

Hab ich schonmal erwaehnt, dass ich den Reis und die Kartoffeln, die es hier jeden Tag gibt, nicht mehr sehen kann ? Da gibt es jetzt Abwechlung zu – proteinhaltig, klein und knusprig. Es ist KAEFERSAISON!

Jeden Morgen stehen die Leute um halb 5 auf und kriechen durch die Felder, um dann um 6 Uhr mit einer Tuete voller krabbelnder kleiner Tierchen wieder nach Hause zu kommen – das perfekte Fruehstueck! Schwuppdiwupp werden die in die Pfanne geworfen und gebraten – so lang, bis der Schmutz, den sie noch auf dem Panzer haben sich loest und mit ein bisschen Salz und Schweineschmalz die Sosse ergibt. Vorher waschen oder zubereiten? Noooeee wieso? Kann man doch alles essen! Waer doch schade um die Beinchen, oder die Koepfe – die bleiben naemlich dran! Dass die zwar auch Stunden spaeter noch zwischen den Zaehnen stecken ist zwar nicht so schoen, aber das nimmt man hier gerne in Kauf fuer das einmalige Knacken, wenn sich der Panzer loest und das weiche Innere herauskommt… Guten Apetitt!

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Verfasst von: lindainecuador | Dezember 1, 2007

Real Life!

Obwohl wir den Gespenstauf dem Dachboden sicher ziemlich viel Angst gemacht haben (:D) und die Gastfamilie ohne Ende Anti-Gespenster-Kraut verbrannt hat, ist es doch nciht verschwunden. Nach den ersten noch harmlosen Aktionen hat es jetzt sogar angefangen, die Leute nachts mit Wasser zu beschuetten und das Haus anzuzuenden.

Das verstehen meine Gastgrosseltern ueberhaupt nicht mehr (“Wir haben doch Anti-Gespenster-Gras verbrannt!”) und haben total viel Angst, weiter in dem Haus zu schlafen. Um ihnen zu helfen, habe ich angeboten, nachts alleine auf dem Dachboden zu bleiben und “aufzupassen”. Das haben sie mit grosser Freude angenommen und mir sofort Platz fuer “meine Strohmatte” gemacht. Die liegt jetzt zwischen altem Geruempel, Spinnen, Staub und Ratten auf dem Stueck Dachboden ueber der Kueche, wo die ganze Nacht das Feuer gemuetlich glueht und knapp 30 Meerschweinchen rumtoben. An die fiepsenden Meerschweinchen unter mir habe ich mich mittlerweile gewoehnt, aber wenn nachts die Katzen neben mir Ratten jagen, die dann aufgeregt ueber meinen Schlafsack rennen erschreck ich mich doch immer noch… 

So bleibendie Naechte immer spannend – bis morgens um 5 Uhr. Dann naemlich kommt der Erste und fegt unter mir die Kueche. Mitterweile habe ich mich an das Besengeraeusch gewoehnt und schlafe weiter, aber spaetestens eine halbe Stunde spaeter wuensche ich mir, ich waere doch aufgewacht. Puenklich um halb 6 wird das Feuer unter angezuendet und wenn ich bis dahin nicht “sanft” vom Besen oder den Tieren geweckt worden bin, uebernimmt das der Rauch. Den atme ich dann schlafend schoen tief ein, um ihn sofort hellwach und mega erschrocken wieder auszuhusten. 

So frueh auf die Art geweck zu werden nervt zwar ein wenig, hat aber den Vorteil, dass ich mehr vom Tag im ”Abenteuerhaus” erleben kann – da gibts immer was zu entdecken. Wenn ich nicht mit den Kindern spiele, den Unterricht vorbereite oder die Anden erkunde, kann ich was mit den Kuehen, Schafen, Schweinen, Katzen, Hunden, neuen Hundewelpen, Hasen, Huehnern und Meerschweinchem machen, die alle in der Kueche oder im Hof 2 m daneben wohnen. Oder ich geh einfach aufs Klo – das ist auch ein Abenteuer fuer sich! 

Als ich da zum ersten mal nach gefragt habe, bin ich zu einem kleinen Haeuschen auf dem Feld geschickt worden. Klein, einsam und uralt. Dass die Tuer mit verrostetem Draht feste verschlossen war kam mir schon komisch vor und alls innen drin alles mit Geruempel voll stand wurde mir klar, dass das schon seeehr lange nicht mehr benutzt worden ist. Allein die aus dem Boden ragenden Porzellansplitter verrieten, dass dort vor langer Zeit mal eine Toilette gewesen sein muss. Als sich dann auch noch direkt vor meinen Augen eine dicke Spinne abseilte bin ich schnell wieder raus und waere fast rueckwaerts in die Loesung des Raetsels gefallen. Keine 5 cm nebem meinen Fuessen war ein Loch mit kleinem Steinrand im Boden, das allem Anschein nach das Klohaeuschen ueberfluessig macht. Keine Wand, kein Vorhang, nichts… 

Das ist schon crass und manchmal wuensch ich mir doch mein eigenes Zimmer in der anderen Gastfamilie zurueck, aber anstatt alleine nur eine Moehre und eine Zwiebel auf « meiner » Etage essen zu muessen, bin ich hier immer mit Menschen zusammen. Jeden Abend sitzen wir beim Essen alle zusammen zwischen Meerschweinchen, Katzen und Hunden auf dem Boden ums Feuer und quatschen so lange Quichua (bzw. hoeren einfach zu…), bis “Opa” uns um 9 Uhr alle ins Bett schickt. Um 5 Uhr gehts ja schliesslich wieder los!

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Verfasst von: lindainecuador | Dezember 1, 2007

Who do you call? – Ghost Busters!

Hahahaaa…manchmal denk ich echt, das kann alles nicht wahr sein, was hier passiert. Letztens kam mein Gastvater und erzaehlte mir, dass im Haus von seinem Vater in der letzten Zeit immer Steine von der Dekcke fallen,  Schraenke umkippen, Hammer durch die Luft fliegen und Getreidesaecke nachts mysterioes “wandern”. Dabei wurde aber nie jemand gesehen, was muss es also sein? Ein GESPENST, ganz klar! 

Nach der Information brauche ich erstmal ein paar Minuten, bis ich wieder ohne laut los zu lachen sprechen konnte, aber als sich meine “Lachen-Unterdrueck-Muskeln genug entspannt hatten, habe ich der Familie sofort meine Hilfe angeboten. Das war mehr nur so dahingesagt, weil ich dachte, dass man bei Gespenstern eh nichs machen kann, aber da hatte ich mich geirrt – die Hilfe wurde gerne angenommen. Meine neue Aufgabe ist jetzt, bei dem Haus zu sitzen und das Gespenst auf frischer Tat zu ertapen, bzw. es an der Tat zu hindern. Das habe ich mit einem anderen schottischen Freiwilligen zusammen gamacht. Wie die Ghost Busters sind wir auf den Dachbodengestiegen und haben da alles durchsucht – ohne Spuren zu finden. 

So sassen wir knapp 2 Stunden da oben, ohne dass was auffaelliges passiert ist. Als wir aber gerade gehen wollten machte es ploetzlich ‘plopp’ und was war passiert? Ein Stein lag neben uns. Durch die Decke kann der nicht gekommen sein und wir waren die einzigen Personen auf dem Dachboden…huuuu!

Bei naeherem Hinschauen war es aber kein richtiger Stein, sondern ein hartes Stueck Lehm, das sich vermutlich von der Dachdichtung geloest hat. Das ist auch das, was ich bei den anderen Seinen vermute, die meinem Gastopa so viel Angst machen, aber in dem Moment wars trotzdem unheimlich…

Verfasst von: lindainecuador | November 20, 2007

Hochzeit – das wird gefeiert!

Am Sonntag war in Tocagón eine Hochzeit und wie das ganze Dorf war auch ich eingeladen. Das hat mir zuerst mal die Ehre verschafft, bei einem knapp 4(!)stuendigen Gottesdienst dabei sein zu koennen und danach bei der ungewoehnlichsten Hochzeitsfeier, die ich je erlebt hab! 

Als wir nach nem kleinen Dorfumzug mit Lifeband und Rosenblueten auf dem Weg beim Haus vom Braeutigam ankamen, standen zwar jede Menge Plastikstuehle (recht wacklig und schief…) unter einem Plastikzelt, aber da wurden nur die wenigsten von benutzt, der Grossteil der Gaeste setzte sich einfach auf den Boden. Das fand ich am Anfang noch ziemlich merkwuerdig (Hallo? Ist doch ne Hochzeit!), aber warum sie das tun hab ich recht schnell gemerkt, als es zum Essen ging. Das war naemlich eindeutig der wichtigste Punkt des Tages (da konnten selbst die 4 Stunden Kirchenzeremonie nicht mehr mithalten ) und auch der, der mich am meisten zum Staunen gebracht. 

Dass mein Mund vor Staunen nicht die ganze Zeit ueber offen war, lag nur an meiner Angst, dass wenn ich ihn nicht schnell genug schliesse noch mehr von dem Essen drin landen koennte, dass es den ganzen Tag ueber pausenlos gab. Sofort als wir alle (auf Stuehlen oder dem Boden…) sassen ging das Essen mit dem ersten Gang los und hoerte auch bis spaet abends nicht mehr auf. Ein Gang nach dem anderen wurde serviert und als wir im Haus vom Braeutigam von Suppe ueber ganze Huehnchen, Rindermaegen, Meerschweinchen, riesige Kartoffelberge, Kekse und Kuchen alles durch hatten ging es weiter zum Haus der Braut, wo das alles nochmal von vorne anfing… 

Da fragt man sich natuerlich, wo die denn so viel Besteck fuer all das Essen her haben, aber das Problem wurde ganz einfach geloest – es gab keins! Als ich meinen Suppenteller ohne Loeffel bekam, dachte ich, der kommt vielleicht noch, aber nix da. Als nach 10 Minuten immer noch nichts kam udn alle um mich herum schon beim zweiten Gang waren musste ich einsehen, dass ich die Suppe schluerfen und die Maisstuecken mit den Fingern rauspicken muesste. Als ich so auch das halbe Huehnchen wie ein Raeuber mit Haenden und Zaehnen abknabbern musste haette ich mich auch auf dem Boden wohler gefuehlt… 

Waehrend ich so an meinem Huehnchen arbeitete und das Stueck Rindermagen serviert bekam liefen immer ein paar Leute mit Plastikeimern und Plastikbechern herum. Zuerst dachte ich, die wuerden die Knoche und Knorpel einsammeln, aber das war natuerlich wieder eine meiner verwoehnten deutschen Knigge-Ideen – alles was nicht schmeckt wurde einfach auf den Boden gespuckt “Irgendwann setzt sich schon der Naechste drauf, dann sieht mans nciht mehr…”Die Eimermenschen waren unsere “Kellner” und verteilten aus den Plastikbechern die Getraenke – unglaublich suesse Limonade, in denen ich manchmal  noch die Zuckerwuerfel spueren konnte, die sich wegen der schon zu hohen Zuckerkonzentration nciht mehr aufloesen konnten. Aus den huebschen Plastikbechern wurde aber ncihts in unsere eigenen Becher geschuettet – die gab es gar nicht erst – sondern alle Gaeste tranken aus den gleichen 4 Bechern, die die Kellner immer wieder fuellten. Ja, so “bruederlich” gehoert sich das doch auf ner Hochzeit, oder? Da den Bakterien sicher eh von dem ganzen Zucker schlecht geworden ist war das kein Problem. Was mich mehr gestoert hat war die Tatsache, dass der Becherrand neben dem Zucker immer noch nach dem geschmeckt hat, was mein Nachbar vorher gegessen hatte… 

Nach dem Essen hatten wir so alle nicht nur ne dicke Zuckerschicht auf der Zunge und Meerschweinchen zwischen den Zaehnen, sondern waren natuerlich auch von oben bis unten bekleckert. Das wurde zum groessten Teil einfach an der Kleidung abgeschmiert, oder man nahm die Deko…denn da hatten sich ein paar kreative Koepfe auch was tolles einfallen lassen! Womit kann man naemlcih einer weissen Hochzeit neben einer einsamen Gluehbirne die meiste Atmosphaere verleihen? Genau… mit Klopapier! Um ein paar Kordel geschlungen hingen die Decke und die Waende voll mit weissen Klopapierschlangen… 

Trotz der super Deko und dem Spass, den ich bei all dem hatte, scheint die Feier aber doch ne recht ernste Angelegenheit gewesen zu sein. Neben meinem Grinsen, dass ich zu oft einfach nciht unterdruecken konnte waren die Gesichter ziemlich ernst und verbissen – was sicher nciht daran lag, dass sie die Essenreste zwischen den Zaehnen verstecken wollten. Dass Braut und Braeutigam nciht so gluecklich waren konnte ich verstehen, als ich gehoert hab, dass sie so ein riesiges Essen jetzt die naechsten 4 Tage fuer das ganze Dorf und deren Tiere organisieren muessen, aber dann haetten sich wenigstens die Gaeste freuen koennen. Die sassen als es bei der Braut zum zweiten mal 5 Gaenge gab alle mit Plastiktueten um die Toepfe herum und haben so viel sie konnten reingepackt – “para chancho” (fuer die Schweine).  

Das Rascheln der Plastiktueten und das Schweigen der Gaeste wurde zuerst mit Life- und spaeter mit Band- Andenmusik ueberdeckt, aber auch der “DJ” hat es nciht geschafft, fuer mehr Stimmung zu sorgen. Alle seine Versuche, die Leute zum klatschen zu bringen “Ein Hoch auf das Brautpaar…einen Applaus fuer die Gaeste…” sind klaeglich gescheitert und selbst als er am Ende verzweifelt mit einem “Jaja, das Leben ist schon doof…” versuchte auf die Gaeste “einzugehen” wurde er schweigend ignoriert. 

So das Partydorf ist Tocagón nicht, aber die eindrucksvolle Hochzeit werde ich sicher trotzdem nie vergessen – allein schon weil es mir seitdem immer wenn ich aufs Klo geht um die schoene “Deko” leid tut :D

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Verfasst von: lindainecuador | November 20, 2007

Stars fuer einen Abend

Das heisse Wasser war zwar toll, aber zu lange haelt man es da doch nicht drin aus. Dafuer gibt es zum Abkuehlen Kaltwasserbecken, aber die waren uns eindeutig zu langweilig – draussen war ja schliesslich der grosse Wasserfall!! Nachdem wir uns kurz kurz aufgewaermt hatten haben wir den Waerter gefragt, ob wir kurz raus koennen und sind in Badesachen zum Wasserfall gelaufen. Wir dachten, wir waeren die einzigen, aber da lagen wir falsch. Auch abends noch war am Wasserfall alles voll mit Touristen und Einheimischen, die dort den Abend genossen.

Als die uns so in Bikini und Badeshorts sahen guckten sie natuerlich alle erstaunt von ihrem Picknick auf – und kamen auch so schnell nicht wieder zum Essen. Von den Blicken haben wir uns naemlich nciht abhalten lassen, sondern sind vor den Augen aller Picknicker zuerst ins tiefe Wasserfallbecken gesprungen und spaeter zu nem kleineren, hoeher gelegenen Zwischenbecken geklettert. Als wir da  so im Eiswasserregen standen hoerten auch die letzten Hungrigen auf zu essen und schauten uns zu – nicht wenige mit dem “verrueckte Gringos” – Blick, den ich hier schon oefter zu sehen bekommen hab :D  

Als wir uns genug abgekuehlt (und den Anblick der staunenden Leute genug genossen ;) ) hatten, wollten wir wieder runter klettern und zurueck ins warme Wasser, aber das war gar nicht so leicht. Kaum waren wir auf der ersten Plattform angekommen, klatschten die Leute schon und winkten uns zu. Da hatten wir aber noch die grosse letzte Treppe vor uns. Als wir die runtergingen stand unten ertwartungsvoll ne Gruppe Leute da, die alle ein Foto mit uns machen wollten – sie und die verrueckten Wasserfallgringos. Das war superlustig, aber ich war doch ganz froh ueber den Gedanken, dass ich am naechsten Tag wieder weg fahren wuerde… :D

(maaan hier klappts auch nicht mit den Fotos! :( weiss irgendwer wie ich den dateityp von bildern aendern kann?)

Verfasst von: lindainecuador | November 20, 2007

Baños – ‘Erholungs’paradies?

Nach dem harten Umzug war natuerlich erstmal Urlaub angesagt. Dafuer gings ab nach Baños, dem Sport- und Erholungsort schlechthin. Eigentlich war der Plan, den ganzen Tag in den heissen Vulkanquellen zu enspannen, aber dafuer war das Sportangebot zu toll und die Umgebung viel zu schoen. 

Am ersten Tag haben wir uns Mountainbikes ausgeliehen um die Wasserfalltour am Fluss entlang zu machen, aber schon nach den ersten 200 m haben wir uns verfahren. Statt dem Fluss zu folgen sind wir abgebogen und fast eine Stunde so einen steilen Berg hoch gefahren, dass die Wasserfaelle uns im Vergleich dazu ziemlich flach vorkamen. Dass die Tour dem Fluss folgen sollte und Fluesse recht selten bergauf fliessen ist uns zwar nach der Haelfte der Strecke aufgefallen, aber in Ecuador ist ja so einiges anders…Das mit den Fluessen zaehlt aber nicht dazu und so erzaehlte uns dann ein LKW-Fahrer, der uns kurz vorm Gipfel entgegen kam (ohne sein Grinsen zu unterdruecken), dass wir total falsch sind… So schlimm war das aber nicht, denn fuer den Ausblick und die Fahrt den Berg runter hat es sich auf jeden Fall gelohnt.  

Auf dem richtigen Weg ging es dann wirklich am Fluss entlang, durch so dunkle Tunnel, dass man selbst mit Taschenlampe kaum was sah und ueber einige so wackelige Bruecken, dass ich mich fast wieder auf den Berg gewuenscht hab. Eine der Bruecken war aber doch stabil genug, um ein Seil dran zu haengen und runter zu springen – Bridge Jumping! Das ist so aehnlich wie Bungee Jumping, aber man springt von einer anderen Bruecke als der, an der man feste gemacht ist.  So faellt man nicht einfach gerade runter, sondern schwingt dabei noch hin und her. Bei unserem Touri-Sport-Tag durfte das natuerlich nicht fehlen und so gings ab auf die Bruecke und ganz schnell wieder runter! Ich muss zugeben, dass ich nicht alleine gesprungen bin, sonder zu zweit, aber das hats auch nciht leichter gemacht. Kaum standen wir auf der anderen Seite vom Gelaender zaehlte der Guide schon bis 3 und bevor wir noch irgendetwas sagen konnten flogen wir schon durch die Luft. Wow das war crass, aber sooo cool!!! Unter uns der grosse Fluss, um uns herum die grossen gruenen Berge und wir in der Luft mittendrin!  

Nachdem unsere Beine sich so weit erholt hatten, dass wir wieder laufen konnten gings mit dem Fahrrad (auf erstaunlich ebener Strecke.. ;) ) weiter zum ersten Wasserfall. Da sind wir zuerst mit ner Seilbahn drueber gefahren, aber das hat uns noch nicht gereicht – wir wollten naeher dran! Nach einem kleinen Kampf mit Gestruepp, steilen Abhaengen und wackeligen Haengebruecken waren wir so nah dran, dass wir schon allein von dem Spruehwasser so nass geworden sind, als haetten wir drin gebadet. Das war aber nicht so schlimm, denn wir konnten in der warmen Sonne beim Picknick in der Haengematte gut trocknen… 

Nach der Pause mussten wir uns den Weg an den steilen Haengen und durchs Gebuesch wieder hoch kaempfen. Das war zwar weniger angenehm, aber wir waren ja schon vom ersten Berg mit dem Fahrrad so einiges gewoehnt… ;) Von da gings auch mit dem Fahrrad wieder weiter, ueber noch mehr Bruecken und durch noch mehr dunkle Tunnel bis wir zum naechsten Wasserfall kamen. Den wollten wir natuerlich auch von ganz nah sehen und so gings wieder ein paar hundert Meter ueber holprige Wege bergab. Da haben sich dann so langsam die anderen Berge vorher in den Beinen bemerkbar gemacht, aber es hat sich auf jeden Fall gelohnt. Unten gab es ganz nah am Wasserfall eine Haengebruecke,  auf der man so nah am Wasserfall stand, dass man sich fast selber wie Wasser vorkam – nur unsere Beine fuehlten sich mehr wie Blei an. Mit denen mussten wir aber trotzdem den Berg vom Wasserfall wieder hoch und von da aus noch zurueck nach Baños. Da hat uns auf dem letzten Stueck eine Camioneta mitgenommen, aber trotzdem waren wir abends so geschafft wie selten. 

Zur Entspannung ging es nach dem Abendessen (endlich mal was anderes als Reis und Kartoffeln!!!) in die heissen Vulkanbaeder, fuer die Baños so bekannt ist. Die liegen total schon direkt neben Baños’ Wasserfall und im Dunkeln, angestrahlt von Scheinwerfern und Mondlicht war alles noch schoener. Der perfekte Abschluss fuer denTag… :)

(arghs, meine bilder werden als “gefaehlich” eingestuft und ich kann sie nciht hochladen. tut mir leid… ich schau mal, ob ich noch was dran machen kann!)

Verfasst von: lindainecuador | Oktober 26, 2007

¡¡¡Wichtig!!!

Wir sind umgezogen und die alte Adresse stimmt nicht mehr. Die neue ist  

Fundación Cielo Azul

Linda Pracejus

Cdla. Jacinto Collahuazo

segunda etapa

entre Juan Rojas y

Petronás Cortéz (esquina) 

Otavalo ECUADOR

Bin gespannt, wie ihr das alles auf einen Briefumschlag drauf bekommt! ;)

Also los, ich freu mich drauf! :)

Verfasst von: lindainecuador | Oktober 26, 2007

Der Stier…und ich!

Letztes Wochenende war in San Pablo “Corrida de los Torros“. Das ist so ne Art Stierkampf, bei dem die Stiere nicht getoetet werden. Das ist aber nicht der einzige Unterschied… Die Arena ist nicht durch sichere Waende, sondern einen einfachen Holzzaun abgetrennt und statt professionellen Torreros kann jeder mit dem Stier “spielen“. Auf das „Spielen“ hatte der Stier aber nicht so viel Lust. Obwohl drei Maenner um ihn rumsprangen, stand er nur da, guckte doof und hatte mehr das Gras im Kopf als eine kleine Jagd. 

Da dachte ich mir “Hey, das kann ich auch!“ und bin in die Arena geklettert. Das Gefuehl, dem Stier Auge in Auge gegenueber zu stehen war ziemlich cool, aber ich konnte es nur kurz geniessen. Irgendwas scheine ich an mir gehabt zu haben, das den drei anderen Maennern gefehlt hat. Ich musste nur einmal kurz ein bisschen rumtanzen, da hatte ich schon die ganze Aufmerksamkeit des Stiers – und nicht nur das. Er schnaubte kurz, scharrte auf dem Boden und raste dann mit zielgerichteten Hoernern los – auf mich zu.  

Ich habs noch rechtzeitig ueber den Zaun geschafft und stand schon wieder sicher auf dem Boden, als der Stier gegen den (bedenklich wackelnden…) Holzzaun krachte, aber ich hab mich meeega erschrocken. Das reicht mir jetzt fuer den Rest meines Lebens und der Anfang war zugleich der Hoehepunkt und das Ende meiner Stierkaempferkarriere! 

Dumm nur, dass ich mir bei meinem rettenden Sprung den Daumen so umgeknickt hab, dass er so dick geworden ist wie das Stierhorn (so weit ich das aus der Entfernung beurteilen konnte ;) ). Also gings ab ins ecuadorianische Krankenhaus – auch so ne Sache fuer sich! Nachdem ich beim Roentgen weder nach Metallschmuck noch nach Schwangerschaft gefragt und dann ohne Schutz direkt neben das Strahlenteil gesetzt worden, bin hat der Arzt meinen Finger “auf professionellste Weise“ imobilisiert. Kennt ihr die Magnum-Eisstaebchen? Jaaa genau, zwei so (weniger ergnonomisch geformte…) Staebchen halten jetzt meinen Daumen fest – nicht so  cool! Dafuer durfte ich das Roentgenbild behalten, ein kleiner Trost! :)

Verfasst von: lindainecuador | Oktober 26, 2007

Militaerakademie Tocagón

Aaah hier ist alles sooo militaerisch! Nach dem morgendlichen Aufstellen und Singen der Nationalhymne machen die Lehrerinnen nuuur Frontalunterricht, bei dem die Kinder still sitzen,  zuhoeren und nachlappern muessen. Da die da natuerlich keine Lust drauf haben, sind sie total zappelig und dieLehrinnen schreien den ganzen Morgen rum um sie ruhig zu halten Das ist voll uebel, scheint denen aber Spass zu machen, denn egal zu welcher Uhrzeit, aus irgendeiner Klasse hoere ich immer einejaehzornige Stimme und auf den Tisch geknalltes Holz so laut, dass mir selbst draussen noch die Ohren wehtun.

Dass ich da mit anderen Methoden ankomme und die Kinder vor Freude durch die Luft huepfen, wenn sie Unterricht bei mir haben, wird von den Lehrerinnen unterschiedlich aufgenommen. Zwei findens toll und unterstuetzen mich darin, aber di eanderen –besonders die Schulleiterin – sind mir gegenueber ziemlichmisstrauisch, unfreundlich und behandeln mich wie eine nervige Fliege, die nur akzeptiert wird, weil sie so weniger unterrichten muessen – von Mitarbeit keine Spur. Letztens habe ich dieSchulleiterin gefragt, ob wir ihre Klasse im Englischunterricht nicht teilen koennten, damit ich besser auf die einzelnen Kinder eingehen kann, aber “Nein, was soll ich denn dann mit den Anderen machen? (Da muesste ich ja was vorbereiten!) Das geht nicht!” Na danke… 

Die Schulleiterin ist eh die Schlimmste. Vor  2 Wochen hatte ich Halsschmerzen und konnte nicht so laut reden. Mit der Klasse gings trotzdem ganz gut, bis auf einmal – da waren alle so laut, dass sie mein gekraechztes „Ruhe!“ nicht mehr hoeren konnten. Als ich da die Schulleiterin gefragt hab, ob sie mir mal helfen kann, rief sie auch nur mit genau so leiser Stimme wie ich – natuerlich ohne Erfolg. Das schien ihr aber zu gefallen, denn anstatt nochmal was zu machen oder wie sonst immer auf den Tisch zu schlagen schaute sie mich nur ganz doof an als wuerde sie sagen „Tja, da kann ich wohl auch ncihts machen.“ Als ich daraufhin mit meinen (unueberhoerbaren!) Halsschmerzen doch laut gerufen hab und die Kinder im Kreis bis auf 3 Jungs ruhig hatte, kam sie ploetzlich und drueckte mir nen Stock in die Hand „Schlag sie!“. Das hab ich natuerliclh nicht gemacht und ihr das auch gesagt, aber als ich den Stock auf ihre zweite Aufforderung hin immer noch nicht genommen hab, hat sie sich nur schnaubend weg gedreht und fuer den Rest der Stunde nichts mehr gemacht.

Da frag ich mich natuerlich, ob ich wie Don Quijote gegen die Windmuehlen reiten und kaempfen soll. Da die Lehrerinnen mich zwar gerade akzeptieren, sicher aber nicht respektieren, geschweige denn achten hat es wohl keinen Sinn, ihnen was von Paedagogik zu erzaehlen und sie so zu veraendern. Was ich aber ganz sicher machen werde, ist MEINEN Unterricht durchzuziehen. Die Schulleiterin hat mich jetzt auf meinen Sportunterricht angesprochen und mich „freundlich daraufhingewiesen“, dass meine (meiner Paeda-LK-Meinung nach paedagogisch wertvollen ;) ) Spiele am Ende der Stunde ja kein Sport mehr seien und ich bitte was Ordentliches machen soll, Gymnastik zum Beispiel. „Kauf doch ein Gymnastikbuch und CDs, vielleicht tut die Schule auch ein bisschen Geld dazu.“ Erstmal soll die das selber kaufen, ich hab der Schule schon genug Geld gegeben, und dann ist das wieder so was typisch Togacón-militaerisches – alle stehen aufgereiht nebeneinander und machen alle das gleiche. Kein Team, keine Kreativitaet, kein Spass. Das ist was, wo ich meinem Pferdchen ganz sicher die Sporen gebe und entschlossen auf die Windmuehle zu reite – in MEINEM Sportunterricht mache ich, was ICH fuer gut halte!

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