Verfasst von: lindainecuador | Januar 13, 2008

Die Kartenkaefer

Nach dem schoenen ruhigen Weihnachten ging‘s weiter mit mehr Action – ab in den Dschungel! Von Quito aus sind wir in den Osten nach Tena, eine groessere Stadt im Amazonastiefland, gefahren, um dort auf gut Glueck unsere Tour zu buchen. Wir hatten Erfolg und konnten direkt am naechsten Morgen starten!
Mit der Camioneta ging es los, ca. 50 Minuten ueber matschige Wege und durch Baeche durch bis wir an einer kleinen Huette ankamen. Von dort aus mussten wir noch 20 Minuten ueber kleine Pfade und durch Baeche durch weiter, bis wir an „unseren“ Huetten ankamen – mitten im Dschungel, meilenweit weg von allem und direkt neben dem grossen Fluss „Napo“
„Wir“, das waren Stuart (ein anderer schottischer Freiwilliger), ich und ein amerikanisches Paar – DIE Stereotypen schlechthin! In jedem kleinsten Wort und jeder kleinsten Bewegung hoerte man ein leises „Ich bin Amerikaner“. Wie konnten die da natuerlich anders heissen als Josh und Stacy? Das war unglaublich lustig und ich musste oft mein Grinsen unterdruecken, aber sonst waren sie ganz cool und wir haben uns gut verstanden.
An der Huette wurden wir sofort mit vielen „Hola“s und „Guapa“s begruesst, was aber diesmal kein kleiner dicker Ecuadorianer war, sondern 2 huebsche…Papageie! Bis wir die entdeckt hatten vergingen ein paar Minuten, aber noch viel mehr Zeit mit Staunen und Bewundern. ;) So „typisch Urwald“ wie die Papageie war auch der Rest der Huetten. Alles war aus Holz, mit Strohdach gedeckt und von Pflanzen und Tieren umgeben, die ich vorher noch nie gesehen habe. Die Huetten, in denen wir geschlafen haben waren (zum Schutz vor Schlangen) alle ein Stueck ueber dem Boden aus Holz gebaut und hatten vor der Tuer eine Haengematte, mit Blick auf den Wald und den Fluss davor. Nach den Touren haben wir die Haengematten auch gebraucht, aber was mich zuerst gewundert hat, waren die „Moskitonetze“ am Fenster. Statt dem normalen feinen Netz war ueberall Maschendrahtzaun gespannt. „Man, da wird die Muecke ja Angst vor haben“ dachte ich im ersten Moment, aber beim Abendessen hab doch den Sinn darin entdeckt.
Nachdem wir am ersten Abend alle erschoepft eine (Ueberraschung: kalte!) Dusche genommen haben gab es Essen: Kartoffelsuppe und…ja, Reis. Nach der Anstrengung habe ich mich sogar darueber gefreut, aber viel schoener als das Essen noch war die Atmosphaere. Ohne Strom haben wir nur mit Kerzen gegessen, ueber uns das Strohdach, hinter uns der Wald und als ‚Hintergrundmusik‘ das Plaetschern des Regens und die Geraeusche der Tiere, die irgendwo im Dunkeln lauerten. Die meisten Tier sind im Wald geblieben (Reisgeruch wuerd mich als Tier auch nicht mehr locken…), aber einige wollten uns doch spaeter beim Karten spielen zuschauen.
Dabei waren Motten in allen Formen und Farben, ganze Kakerlakenfamilien und zum Schluss ein Kaefer, der locker haette mitspielen koennen. Im ersten Moment dachte ich, eine Karte waere durch die Luft geflogen, aber selbst dafuer war er zu gross. Von der Form her wie ein Pik Ass aber so gross wie meine ganze Hand sah er so aus wie eine von den riesigen Spielkarten aus „Alice im Wunderland“. Haette mich nicht gewundert wenn der sich ein paar Karten geschnappt und nach nem Bier gefragt haette… :D
Danach habe ich nicht mehr ueber die Maschendrahtzaunmoskitonetze gelacht! Im Gegenteil, beim Zaehne putzen haette ich gerne etwas davon bei mir gehabt. Um zum Waschbecken zu kommen musste ich von der Huette aus mit nur einer kleinen Kerze noch ein ganzes Stueck laufen. Dabei habe ich den Weg zwar gesehen, aber sonst war um mich herum alles tiefschwarz und ich konnte nur hoeren. Ueberall raschelte, knistere und zirpte es und ich habe jeden Moment damit gerechnet, dass ploetzlich ein Karo Koenig auf mich zuflattert…

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Fotos kommen noch…! Und noch mehr Dschungelberichte auch :)


Antworten

  1. Uiiii, bei Insekten, die so groß sind, bekomme ich Angst. Eklig finde ich die Viecher auch noch….mann, gut dass ich da nicht dabei war. Ich hätte wohl auch gar nicht schlafen können. Mit dem Wissen, eine Schlange könnte auf komische Gedanken kommen, während ich schlafe, hätte ich kein Auge zubekommen.;)

  2. Ja, ich weiss nicht, ich kann mich auch nicht so recht mit Tieren anfreunden die mehr als 4 Beine haben. Mit Schlangen habe ich keine Probleme, da hab ich schon ein paar in den Händen gehalten, aber so Käfer und Spinnen *wuah*. Um so mehr bin ich auf deine Bilder gespannt. Vor allem auf Josh und Stacy :-)

    gruss
    Andreas

  3. Wow Linda! … warum war ich nur so feige und bin in die “bekannte” USA gegangen.

    Was du erlebst ist echt einmalig! Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass viele der ehemaligen Austausschueler, mit denen ich mich vor meinem Jahr unterhalten habe, gesagt haben: “Wenn ich das noch mal machen koennte, wuerde ich irgendwo exotisches hingehen!” … ich jetzt auch!

    Mir gefaellt deine Kartenmetapher wunderbar :) Einfach schoen wie du schreibst… ich werde sicherlich jeden Tag reinschauen und abwarten bis der naechste Schwall an Berichten rein kommt!

  4. Hey denk an dich

  5. Hi Linda wollte mich mal melden aus dem fernen Hochstraßen. Ich beobachte schon die ganze Zeit dienen Blog und finde es toll was du so schreibst. Es ist doch sehr mutig die ganzen Sachen ( Meerschweinche, Kaefer und aenliches) zu Probieren geschweige denn zu Essen.Ach ja bei uns ist ja grade Karneval gibt es das dort auch so wie bei uns in Deutschland?
    Were weiterhin den Blog regelmaesig lesen und mich noch mal melden schoene Gruesse von den Schmidt’s
    PS. wuerde mich ueber weitere Kulinarische Berichterstattungen sehr freuen.

  6. traumhaft!!

  7. Lindaaaaaa,
    wir sind hier so alleine, gib uns ein wenig Lesestoff, bittttääääää :-)

    gruss
    Andreas


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